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Sprich »Freund« und tritt ein - Der Herr der Ringe: eine Leserunde

Dienstag, 28. Februar 2017





Drei Ringe den Elbenkönigen hoch im Licht,
Sieben den Zwergenherrschern in ihren Hallen aus Stein,
Den Sterblichen, ewig dem Tode verfallen, neun,
Einer dem Dunklen Herrn auf Dunklem Thron
Im Lande
Mordor, wo die Schatten drohn.
Ein Ring sie zu knechten, sie alle zu finden,
Ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden
Im Lande
Mordor wo die Schatten drohn.





E I N E  F A M I L I E N A N G E L E G E N H E I T




Tolkien ist Familiensache, Familienehre und Familienliebe.

Anfang der 1980er Jahre erlitt mein Vater einen schweren Kletterunfall und lag über sechs Wochen im Krankenhaus, unfähig, sich zu bewegen. Alles, was er hatte, waren Bücher – vor allem diese drei grünen Büchlein, in dem neuwertigen Schuber, die sein bester Freund ihm auf den Nachtisch stellte. „Fantasy! Mal was anderes, Anders! Du und dein Hesse immer!“

Über den Ausspruch lacht mein Vater noch heute. Ich mittlerweile auch. Denn er fraß sich durch die Geschichte und trägt sie seitdem in einem ganz besonderen Fleck seines Herzens überall mit sich hin und schöpft daraus Inspiration und wunderliche Achtsamkeit – auch nach all den Jahren noch. Vielleicht gerade auch deswegen.

Obwohl mein Vater nie wieder einen Fantasyroman abseits Tolkiens Feder anrührte, ist Der Herr der Ringe sein ultimatives Lieblingsbuch. Und dass er mich der Welt über Jahre hinweg immer und immer wieder entgegenstupste, ist kein Zufall.

 Niemand schürte meine Gier nach Geschichten mehr. Niemand gab ihr mehr Futter.





D I E  M A G I E  I N  D E N  W O R T E N




Ich höre heute noch die Nuance seiner Intonation; spüre seinen warmen Blick auf meiner in Decken gekuschelten Gestalt und verstehe ihn heute endlich als amüsiert. Er wusste, dass er meine Vorstellungskraft über den Jordan peitschte und wusste, dass er damit gerade kurz vor der Schlafenszeit etwas mit meiner Fantasie anstellte – und tat es dennoch, denn er war selten Zuhause und lebte für die abendlichen Momente mehr, als ich es damals verstanden habe.

Mein Vater ist nicht sonderlich gläubig, aber meine Mutter ist es – Nachtgebete sind ein fester Bestandteil meiner Kindheit; Danksagung, Engelschutz, das volle Programm. Wenn er mich also ins Bett brachte, ging er für meine Mutter den Kompromiss ein. Doch Gebete wurden nie runtergerattert.

Auch wenn mir „Lieber Herrgott, mach mich krumm, dass ich in mein Bett reinkomm“ immer ein albernes Kichern entlockte, versiegte irgendwann das Repertoire an den spaßigen Gebetssprüchen meines Vaters und in meinem Verlangen nach „Mehr, mehr, mehr!“ und „Nur noch eins, Papa!“ kamen wir irgendwann zu den Geschichten.

Und dem Ringspruch.

Es lag etwas Unheilvolles in seiner Stimme; etwas, dass mein Herz rasen ließ vor einer seltsamen Mischung aus Angst und Aufregung, denn Puh, was mochte das nur für eine Geschichte sein, was erwartete mich da? Oh, ich war so gespannt!

Anfangs war es nur eine verzweifelte Ausflucht, hat er mir vor ein paar Jahren verraten. Ihm sei einfach nichts mehr eingefallen, aber den Ringspruch, den konnte er noch im Schlaf auswendig aufsagen, so oft hatte er ihn gelesen; dabei verinnerlicht. Dann habe er ihn einfach gebetet. Er lacht etwas betreten, wenn er das sagt und Mama gibt ihm einen empörten Klaps auf den Oberarm, aber die Geste bleibt sanft.

Doch da war es längst um mich geschehen. Und ab da forderte ich bei jedem Schlafengehen nicht nur den Ringspruch ein, sondern Mehr. Mehr von dieser Geschichte, denn da gab es doch etwas, oder? Woher kam das? Was bedeutete das?

Obwohl ich noch lange Zeit keine einzige Zeile Tolkiens lesen sollte, war es ab da um mich geschehen und die Liebe tief verankert.

Ich war fünf Jahre alt.





T O L K I E N N E R D




Meine erste Fantasyliebe war, wie bei den meisten meiner Generation, Harry Potter. Das Hinfiebern auf das Erscheinen der Bände, das gleichaltrige Mitwachsen mit Harry zusammen, Mensch, was war das für ein Erlebnis und was habe ich es geliebt.

Doch meine Leidenschaft wurde durch Tolkien entfacht.
Als der erste Film erschien, kam ich Nachhause und vieles resonierte so geheimnisvoll bekannt in mir, sodass es mich wirklich ernstlich verwirrte, und als ich das beim Abendessen ansprach, lachte mein Vater – und dann kam alles wieder hoch.

Bevor ich an diesem Abend ins Bett ging, drückte er mir seinen grünen Schuber in die Hand und der Rest ist Geschichte.

Meine Liebe zum Der Herr der Ringe, meine Liebe für das Universum und die Sprachgewalt dahinter brachte mich selbst zum Schreiben und versiegelte meine Vorliebe für dieses Genre, dass seit den letzten Jahren so formvollendet erblüht.


Es gibt keine Worte, um zu beschreiben, was dieses Werk für meine persönliche Entwicklung bedeutet.


Schon lange nehme ich mir vor, einen Reread zu unternehmen, schon lange will ich wieder zurück in diese Welt, um Kraft und Inspiration zu schöpfen, auch für das Werkeln an meinem eigenen Epos, aber jetzt, mit zwei Kindern… Wann?

Als Anabelle zur Leserunde aufrief wusste ich, dass ich diese Chance ergreifen wollte und musste – die Chance, meine Batterien aufzutanken, aber auch die Chance, um meine Leidenschaft zu teilen und all jenen, die das Werk vielleicht noch nicht kennen, etwas von der Magie mitzugeben.

Ganz so, wie sie mir einst mitgegeben wurde.







W I R - D I E  G E F Ä H R T E N


Ich habe vor, diese Leserunde mit ein paar informativen Beiträgen zu begleiten und möchte gerne das sein, was mein Vater für mich gewesen ist.

 Nur für euch.

Sollte euch das interessieren, gesellt euch doch einfach zu mir – über meinen Feed hier, oder über Twitter und dem Hashtag; ich verspreche, ich werde Wirbel machen und laut sein. Bei unserer lieben Initiatorin Anabelle gibt es auch auf ihrem Blog Stehlblüten nicht nur alle Informationen, sondern auch eine Auflistung aller Teilnehmer - und sogar Gewinne! Mit einem einfach Klick mich seid ihr auch schon dort.

Ich möchte unsere Gesellschaft hier sehr gerne festhalten. Das ist mir das, was mir an dieser Leserunde am wichtigsten ist.

Das Uns.

Das Wir.

Bücher – eine der schönsten Nebensachen der Welt – machen in einem Gemeinsam so viel mehr Spaß. Für mich ist das tatsächlich die Essenz; dass Allesausmachende.


Deshalb, ihr Lieben – ich freue mich.

Oh, ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr.



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